Feldpost im Zweiten Weltkrieg
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Abbildung des Buchumschlages Otto May: Zwischen Propaganda und tödlichem Schicksal

Zwischen Propaganda und tödlichem Schicksal

Otto May

Begleitband zur Ausstellung "Was nicht im Lehrbuch steht", in der Domäne Marienburg
Förderkreis Stiftung Schulmuseum und Bibliothek für Bildungshistorische Forschung der Universität Hildesheim e.V. - Schriftenreihe des Schulmuseums Band 25

Verlag Franzbecker Hildesheim
Euro 16,80
ca. 116 Seiten
ISBN 978-3-88120-922-9

Wenn man an private Kriegskommuniation aus dem Ersten Weltkrieg denkt, fallen einem die Postkarten ein, die massenhaft versendet wurden und die man heute noch für Cent-Beträge auf Flohmärkten erstehen kann. Für den Zweiten Weltkrieg ist eher die Brief-Kommunikaiton typisch. Dass es im Zweiten Weltkrieg auch Propaganda-Karten gab, ist kaum bekannt und auch kaum dokumentiert.

Diese Lücke schließt ein kleiner Band mit einer Sammlung von Postkarten mit Propagandamotiven aus der Zeit des Dritten Reichs. Dazu zählen zunächst Fotografien von Aufmärschen und Grafiken von Großveranstaltungen. Da Hildesheim, das im Zentrum der Sammlung steht, kaum Inszenierungen vorweisen konnte, wurde schon die Tatsache fotografisch festgehalten und als Postkarte vertrieben, als Hitler mit seinem Tross durch die Stadt fuhr. Die Grafiken zeigen den auch aus anderen Medien bekannten Nazi-Kitsch mit heroisierenden Darstellungen und überhöhter Symbolik. Ein blonder Hitler-Junge stehet vor dem mächtigen Schatten eines Soldaten oder ein anderer häln dem Betrachter ein Schwert entgegen, als wollten er es überreichen.

Mit Beginn des Krieges treten andere Motive in den Mittelpunkt der Darstellung. Man findet Darstellungen von Kampf, ohne dass dabei notwendig Gegner oder Opfer dargestellt werden. In den wenigen Beispielen, wo Wehrmachtsangehörige verletzt sind, ist die Botschaft, dass Kameraden und Sanitäter sie nicht im Stich lassen. Krieg wird als Abenteuer und Bewährung erlebt. Die Gemeinschaft wird erfahren als Stärke. Selbst der Tod, der in Form eines einzelnen Grabes symbolisiert ist, gehört mit zum Image des Kampfes und macht ihn nur bedeutsamer. Auf der anderen Seite es geht um romantisierende Momente aus dem Soldatenleben in der Etappe, wo man Zusammenhalt und Gemeinschaft zelebrieren kann. Und da darf auch der Humor nicht fehlen.

Die Motive der Karten entsprechen dem Tenor der auch sonst massenhaft verbreiteten Propaganda. Das Menschenbild - besser gesagt das Bild des Mannes, denn Frauen kommen hier nicht vor - steht im Einklang mit dem faschistischen Körperbild von dominanter Gestik und unbeweglicher Mimik mit festem Blick, der meist aus dem Bild hinaus gerichtet ist. Man kennt die Darstellungen aus Leni Riefenstahls "Trimph des Willens" oder aus zahllosen Wochenschauen.

Insgesamt bietet die Sammlung einen Einblick in die Ideologie eines Systems, das sich als menschenverachtend auch gegenüber der eigenen Bevölkerung zeigte. Eine Karte mit der Darstellung eines Soldaten, der seinen verwundeten Kameraden trägt, ist untertitelt: "Nicht Du bist der Maßstab! Sondern die Front!"

Hildesheimer Soldaten der 59. und der 71. Infantrie-Division schrieben nach Hause und senden Lebenszeichen aus Frankreich, aus Russland und aus Italien. Die Sammlung wurde von Otto May hauptsächlich aus deren Beständen zusammengetragen und für eine Ausstellung im örtlichen Schulmuseum und für die Publikation aufbereitet.

Abbildung des Buchumschlages Otto May: Zur Geschichte der Propaganda-Postkarte

Zur Geschichte der Propaganda-Postkarte

Otto May

Geschichte im Postkartenbild. Band 1

Verlag Franzbecker Hildesheim
Euro 19,80
ca. 204 Seiten
ISBN 978-3-88120-925-0

Eingeführt wurde die Postkarte in Deutschland von Generalpostmeister Heinrich von Stephan, damit man auch kurze Nachrichten senden kann. Dazu musste man weder besonders viel noch gut schreiben können. Schon bald bot sich die Möglichkeit, auch Bilder auf den Vordrucken zu erhalten. Damit musste man noch weniger selbst schreiben und konnte aus einer Reihe von Motiven dasjenige aussuchen, mit dem sich der Schreiber identifizieren konnte. Das machte den Weg frei auch für politische Bekundungen und damit begann der Weg der Postkarte als Trägerin von Ideologie.

Als beliebtes Medium wurde die Postkarte von Anfang an zur Übermittlung von Propaganda genutzt. Man konnte sie zu einem günstigen Preis in großen Anzahlen produzieren und wegen des geringen Gewichts überall anbieten. So war es politischen und militärischen Organisationen sehr leicht möglich, ihre Ideen und ihre Ziele einem großen Publikum bekannt zu machen und die Menschen zu beeinflussen.